Interdisziplinäre Lungenhochdruck-Sprechstunde

Lungenhochdruck (pulmonale Hypertonie) ist eine Erkrankung mit zwei Gesichtern. Ein Patient kann oft unbemerkt lange, häufig über Jahre, stabil bleiben – oder binnen kurzer Zeit von einem Rechtsherzversagen lebensgefährlich bedroht werden.

Um dem Lungenhochdruck besser zu erkennen, haben wir zusammen mit unseren kardiologischen und pneumologischen Kollegen eine spezialisierte Sprechstunde nur für die Pulmonale arterielle Hypertonie eingerichtet.

Das Ziel: eine optimale, interdisziplinäre Diagnostik und Therapie.
Verantwortlich sind im Klinikum Stephansplatz Prof. Dr. med. Helgo Magnussen und Dr. med. K. Ahmadi-Simab.

Unser Kreislaufsystem wird in einen großen und kleinen Kreislauf unterteilt. Im großen Kreislauf fließt das sauerstoffreiche, arterielle Blut vom linken Herzen durch den gesamten Körper und versorgt die Organe mit Sauerstoff. Von den Organen gelangt das nun sauerstoffarme, venöse Blut zum rechten Herzen, das das Blut in den kleinen Lungenkreislauf pumpt. Dort wird die Luft, die wir einatmen, über die Lungenbläschen in die Lungengefäße aufgenommen (Gasaustausch). Das nun wieder sauerstoffreiche Blut fließt zum linken Herzen zurück und gelangt so wieder in den großen Kreislauf.

Die Druckverhältnisse im Lungenkreislauf sind beim gesunden Menschen wesentlich niedriger als im großen Körperkreislauf: der Mitteldruck in der Lungenarterie (= Pulmonalarterie) liegt normalerweise bei 15 mmHg. Wenn der Druck in der Lungenarterie bei Belastung auf über 30 mmHg ansteigt, spricht man von einem Lungenhochdruck oder einer pulmonalen Hypertonie.

Die pulmonale Hypertonie entsteht durch die starke Verengung der Lungengefäße, wodurch der Blutdruck in den Lungengefäßen zwischen rechter und linker Herzkammer ansteigt. Dies führt zu einer Durchblutungsstörung der Lunge, zu einer verschlechterten Sauerstoffaufnahme und zu einer zunehmenden Überlastung der rechten Herzkammer bis hin zum Herzversagen.

Die Drucksteigerung im kleinen Kreislauf kann lange kompensiert werden. Erst spät kommt es zu einer nachfolgenden Druck- und Volumenbelastung des rechten Herzens mit den daraus resultierenden Folgen.

Eine der wichtigsten Ursachen für den Lungenhochdruck ist ein erhöhter Blutspiegel des Endothelins, eines Stoffes, der in den Blutgefäßen gebildet wird. Je höher die Konzentration des Endothelins im Blut ist, umso schwerer ist der Krankheitsverlauf und umso kürzer die Lebenserwartung der Patienten.

Rund 100.000 Menschen in Europa und den USA leiden derzeit unter pulmonaler arterieller Hypotonie. Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer. Der Krankheitsbeginn ist in jedem Lebensalter möglich; am häufigsten treten die ersten Anzeichen aber zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auf. Die Ursache des Lungenhochdrucks ist noch nicht bis ins letzte Detail geklärt.

Die 3 wichtigsten Mechanismen sind: Vasokonstriktion (Gefäßverengung), In-Situ-Thrombosierung (Blutgerinnsel an der inneren Gefäßwand) sowie Gefäß-Remodelling (strukturelle Veränderungen der Gefäßwand). Die pulmonale arterielle Hypertonie kann auch erblich bedingt auftreten und mehrere Generationen einer Familie betreffen.

Es galt für Patienten mit Lungenhochdruck lange Zeit das Gebot der körperlichen Schonung. Die Art der Therapie richtet sich nach dem Schweregrad der Erkrankung. Zu den symptomatischen Therapiemaßnahmen gehören die Gabe von Sauerstoff und Diuretika (Entwässerungsmedikamente).

Da verschiedene Studien einen positiven Effekt auf den Krankheitsverlauf gezeigt haben, sollten die Patienten beim Fehlen von Kontraindikationen mit gerinnungshemmenden Medikamenten, z. B. Marcumar, behandelt werden.

Zeigt sich im Rahmen der Akuttestung mit gefäßerweiternden Medikamenten eine signifikante pulmonale Vasoreagibilität (Bewegungsfähigkeit des Blutgefäßes), ist ein Therapieversuch mit Kalziumantagonisten sinnvoll. Kalziumantagonisten haben eine dem Kalzium entgegen gesetzte Wirkung: Sie verhindern, dass Kalzium in die Herzmuskelzellen, die Zellen des elektrischen Überleitungssystems (Reiz-Leitungssystem des Herzens) am Herzen und die Muskelzellen der Blutgefäße gelangt. Diese Therapie ist jedoch nur bei maximal 10 % der Patienten und wahrscheinlich ohne einen nachhaltigen Effekt erfolgreich.

Während es bis vor wenigen Jahren außer der Lungentransplantation praktisch keine effektiven Behandlungsmöglichkeiten gab, stehen heute wirksame Medikamente zur Verfügung, mit denen es bei den meisten Patienten gelingt, die Beschwerden zu lindern, eine Transplantation zu verzögern bzw. in Einzelfällen zu vermeiden und die Lebenserwartung zu verbessern.

Behandelnde Ärzte:

magnussen

Prof. Dr. med. Helgo Magnussen
Facharzt für Innere Medizin, Pneumologie (Lungenheilkunde), Allergologie, Schlafmedizin

Dr. K. Ahmadi-Simab Chefarzt

Dr. med. K. Ahmadi-Simab
Ärztlicher Direktor
Facharzt für Innere Medizin, Rheumatologie, Klinische Immunologie, Gastroenterologie